Mittwoch, 24. Juni 2009

...wie alles begann...

Der Arbeitgeber meines Mannes nimmt es mit der Zahlung des Lohns nicht sehr genau.
Vertraglich vereinbart ist eine Lohnzahlung zum 30. des Monats, aber seit Mitte 2006 kam der Lohn immer etwas später aufs Konto. Viele Beträge, die zum 1. abgebucht wurden, sorgten dafür, dass das Konto ins Minus rutschte. Der Lohn kam dann mal ein paar Monate zum 5., dann ein paar Monate zum 8., irgendwann zum 10. des Monats...
Damit konnte man ja noch so halbwegs leben, man wusste ja, dass das Geld kommt. Dann irgendwann kam es schon immer zum 15. und es wurde auf dem Konto immer knapper. Da man in den Dispo abgerutscht war, kam man irgendwann aus dem Minus gar nicht mehr heraus. Die Zinsen für die Überziehung sind halt ziemlich hoch.
Zu dieser Zeit half uns eine Freundin, die bei der Bank arbeitet. Sie hat dafür Sorge getragen, dass wir mittels eines Kredits umschulden konnten, so dass unser Konto nicht länger im Minus war und wir wieder etwas aufatmen konnte. Ist ja auch logisch, dass wir lieber auf einen bestehenden Kredit aufschulden und darauf zahlen und auch Erfolge sehen, als die rote Farbe auf dem Konto überhaupt nicht mehr wegzukriegen.

Soweit, so gut...

Nach vielen Versprechungen, dass sich die Lage bessern solle, verschlechterte sie sich jedoch immer mehr.
Mein Mann verdient sowieso schon nicht sehr viel und wir mussten immer schon knapsen, um überhaupt alle laufenden Kosten und das Leben bezahlen zu können. Aber irgendwann waren wir am Ende und konnten einfach nicht mehr.

Im Dezember z.B. hat mein Mann einen Lohn von etwas über 1.400,-- Euro verdient, wovon wir 1.000,-- Euro am 15. Januar erhielten und den restlichen Betrag am 6. Februar.
Den Januarlohn haben wir dann erstmal gar nicht gesehen. Auf dringlicheres und erneutes Nachfrgen meines Mannes hat der Arbeitgeber ihm am 21. Februar (!!) großzügigerweise 300,-- Euro bar gegeben, damit wir - nach seinen Worten - übers Wochenende kommen.
Mit 300,-- Euro müssen wir jedoch nicht übers Wochenende, sondern eher über den Monat kommen. Von diesem Betrag haben wir direkt unsere Schulden bei der Schwester meines Mannes abbezahlt, die uns um den 10. herum 100,-- Euro geliehen hatte. Traurig genug, dass man sich als Arbeitnehmer bei Hartz IV Empfängern Geld leihen muss.

Vom Januargeld, das laut Abrechnung knapp 1.350,-- Euro betrug, haben wir also 300,-- Euro erhalten. Sicher hatten wir am 6. Februar den restlichen Dezemberlohn bekommen, aber bei einem Lohn, der im Durchschnitt 1.300,-- Euro beträgt, ist es uns nicht möglich, davon zwei Monate zu leben. Eigentlich eine für die heutige Zeit logische Rechnung.

Am 3. März war ich so frustriert über diese Zustände, dass ich morgens eine E-Mail an die Redaktion der Lokalzeit Aachen schrieb, die über den WDR ausgestrahlt wird. Es folgte erst die übliche Standardantwort, dass man unsere Mail überprüfen würde etc. pp. Am Nachmittag meldete sich tatsächlich eine freie Mitarbeiterin des WDR bei uns, dass sie gerne über diesen Fall berichten würde.

Am Nachmittag des 3. März wurde die "Restzahlung" des Januarlohns auf unserem Konto verbucht, was man so Restzahlung nennen kann....

Am 6. März wurde besagter Beitrag bei uns gedreht. Um unsere Aussagen glaubwürdig machen zu können, hatten wir versucht, andere ehemalige Arbeitnehmer des Betriebes dazu zu bringen, sich uns anzuschließen. Das hat jedoch keiner gemacht, trotz anfänglicher Euphorie und "Ja klar, das ist klasse, da mache ich mit!" Irgendeiner hat uns beim Arbeitgeber angeschwärzt, denn nach der Ausstrahlung des Beitrags am 13. März (einem Freitag), wurde meinem Mann am darauf folgenden Montag gekündigt. Mit den Worten, dass man ihn dort nicht mehr sehen wolle, wurde er des Betriebes verwiesen.

Am 17. März ist mein Mann sofort zum Arbeitsamt gegangen und hat sich arbeitslos gemeldet.

Seitdem kämpfen wir einen fast aussichtslosen Kampf, um alleine an das Februargeld zu kommen. Der Anwalt des Arbeitgebers ist so dreist, dass er in einem Schreiben vom 2. April hervorhebt, dass wir doch das Januargeld z.B. vollständig erhalten hätten. Was mit dem Februargeld ist, das wird mal eben dezent unter den Tisch fallen gelassen.

Die ARGE hat uns Gelder ab dem 17. März bewilligt. Wobei wir nach Auskunft einer ARGE-Mitarbeiterin Glück hatten, dass sich da ein Gesetz geändert hat, sonst wäre uns das Januargeld, das wir am 3. März erhalten haben, nämlich als Einkommen für den Monat angerechnet und hätten keinen weiteren Cent Unterstützung erhalten.
So wurde es uns "nur" als Vermögen (*haha*) angerechnet und da gibt es ja pro Person einen Freibetrag.

Mit dem AlG II für den Zeitraum vom 17. bis zum 31. März in Höhe von sagenhaften 422,67 Euro durften wir also alle Kosten für den Monat März bestreiten und davon noch leben. Ohne Februargeld gesehen zu haben.... Okay, bevor jetzt einer denkt, ich übertreibe, berichtige ich direkt mal... Kindergeld hatten wir ja auch noch zusätzlich in Höhe von 164,-- Euro und aus meiner Beschäftigung als Datenerfasserin auf 400,-- Euro-Basis gab es auch einen Lohn in Höhe von 110,- Euro. Also fast schon Reichtum...

Dass wir jetzt in die Überziehung abgerutscht sind, was aber eigentlich nicht geht, nur ausnahmsweise diesen Monat noch bis zu einem Betrag von 300,-- Euro, das interessiert einfach keinen.

Diesen Monat ist es uns noch nicht möglich gewesen, Strom/Gas und Wasser zu zahlen. Die sich daraus ergebenden Mahnkosten und Gebühren müssen wir zusätzlich tragen, obwohl wir dafür ja nun wirklich weder was können, noch Geld übrig haben.

Es ist zum Verzweifeln!!!

.... Fortsetzung folgt...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen